letzte Aktualisierung: 24.02.2010 17:59:57

Andacht

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“
Johannes 15, 13

Gibt es eigentlich eine Maßeinheit für die Liebe? Kann man die Liebe einteilen in mehr oder weniger, oder ist sie absolut? Ich finde, sie ist da oder eben nicht. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Ein ungeheurer Anspruch! „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt…“, heißt es in einem Schlager aus einem alten Film. Ja, es ist schon etwas Wunderschönes, einen Menschen – einen Freund – zu haben, mit dem man Freud und Leid teilen kann. Freundschaften können aber auch zerbrechen. Gott lässt solche Enttäuschungen zu. Warum? Ich denke, damit wir eben zu dem finden – zu ihm finden – der niemals enttäuscht!

Auch wenn wir das Wort „Freund“ heute recht schnell in den Mund nehmen, ist der Ausdruck im Monatsspruch sehr erstaunlich. Im Alten Testament werden nur Abraham und Moses als „Freund Gottes“ bezeichnet. Wenn Jesus hier seine Jünger „Freunde“ nennt, dann misst er ihnen damit die gleiche Bedeutung zu. So wichtig nimmt Jesus seine Jünger! Im Arbeitsverhältnis wird nicht nach Sympathien gefragt. Aber Freunde sucht man sich. Jesus hat seine Nachfolger bewusst ausgewählt. Nicht, weil sie besondere Qualitäten hatten oder unbedingt bei Jesus sein wollten. Weil Jesus ein Liebhaber der Menschen ist, deswegen macht er sie zu Freunden, selbst wenn ihn diese Freundschaft das Leben kostet. Und deswegen kennt seine Freundschaft keine Grenzen, weil er will, dass alle Menschen seine Freunde werden. „Zeig mir, dass du mein Freund bist.“ In vielen Freundschaften fällt irgendwann einmal dieser Satz. „Zeig mir, dass du zu mir hältst. Zeig mir, was ich dir bedeute. Zeig es mir mit Taten - nicht nur mit Worten.“ Und bei guten Freunden erleben wir das auch.

Jemand zieht meinen Freund herunter vor Anderen, macht ihn lächerlich. Und ich setze mich ein. Ich verteidige ihn. Jesus hält zu mir als ein sehr guter Freund. Zu jeder echten Freundschaft gehört das dazu: Verbindlichkeit. Nicht: „Heute habe ich Lust, dein Freund zu sein.“ Und dann: „Was morgen ist, weiß ich noch nicht.“ Echte Freundschaft ist etwas Dauerhaftes. Manchmal muss ich sogar darum kämpfen. Wenn Schwierigkeiten kommen. Oder wenn ich mich streite. Echte Freundschaft ist kein Wegwerfartikel. Sie ist etwas Kostbares. Sie kostet etwas.

Auch die Freundschaft mit Jesus kostet. Sie hat Jesus sein Leben gekostet. Er musste durch den Tod hindurch, bevor er jetzt als lebendiger, als auferstandener Jesus mein Freund werden konnte. Diese Freundschaft hat ihn alles gekostet. Deshalb will ich nicht verschweigen: Sie kostet auch mich etwas, nämlich tun, was Jesus gesagt hat. Ihm zu vertrauen, wenn die Anderen sagen: „Wer sich auf Gott verlässt, der ist verlassen - wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht.“ Seine Gebote tun, wenn alle Anderen sagen: „Gottes Gebote sind für Leute von gestern. Alte Zöpfe.“ Zu Jesus halten, wenn Andere sagen: „Das ist etwas für Überfromme oder für Schwächlinge.“ Zu einer echten Freundschaft mit Jesus gehört Verbindlichkeit. Denn sie ist etwas Kostbares. Jesus lädt ein zur Freundschaft. Und ich darf in diese Freundschaft hineinwachsen, indem ich mich immer wieder darauf besinne, wie reich ich von der Liebe Gottes in meinem Leben beschenkt werde. Und ich soll diese Liebe freigiebig weitergeben – und damit Frucht bringen aus meiner Freundschaft mit Jesus. Darüber denken Christinnen und Christen jetzt in der Passionszeit nach – gemeinsam in den Passionsandachten mittwochs und in den Gottesdiensten sonntags. Seien Sie mit dabei, denken Sie mit uns gemeinsam nach über die Liebe, die von Gott kommt…

Axel Heyne, Diakon